Jahrhundertelange Seychellenerfahrung: Esmeralda, die wohl älteste Riesenschildkröte, lebt seit vielen Jahren auf einer Seychellen-Insel im Indischen Ozean. Ihr hohes Alter bescherte ihr sogar einen Eintrag in das Guinness Buch der Weltrekorde. SeyVillas, Spezialist für individuellen Seychellen-Urlaub, traf Esmeralda persönlich und erfuhr mehr über die Superlativ-Schildkröte. Was sich über die Jahre veränderte und welche Tipps die Schildkröte für ein langes Leben hat, lesen Interessierte hier.

Esmeralda, wir freuen uns Sie kennenzulernen. Möchten Sie sich kurz vorstellen und uns etwas über Riesenschildkröten berichten?

Schildkröte läuft.
Männliche Riesenschildkröte, © Bird Island Lodge

Zunächst einmal freut es mich sehr, dass Sie Interesse an meinem Werdegang haben. Gerne erzähle ich Ihnen mehr von mir: Ich bin eine Aldabra-Riesenschildkröte – benannt nach dem größten Atoll im Indischen Ozean. Seit vielen Jahrzehnten lebe ich mit anderen Tieren und ein paar wenigen Menschen auf Bird Island. Das liegt etwa 100 Kilometer von der Seychellen-Hauptinsel Mahé entfernt. Auf meine Modelmaße von 1,80 Meter bin ich sehr stolz. Außerdem bringe ich stolze 308 Kilogramm auf die Waage. Ich habe einen glatten, runden Panzer mit verhältnismäßig kleinem Kopf – bin aber dennoch sehr weise. Wer denkt, mein Schildkrötenpanzer spürt nichts, liegt falsch.

Daher bitten wir alle inständig darum, nicht auf uns zu klopfen oder gar auf uns zu reiten. Streicheln dagegen gefällt uns. Übrigens: Ich bin, anders als mein Name vermuten lässt, keine Frau, sondern eine männliche Schildkröte. Ein berühmter Biologe gab mir meinen Namen, bevor er mein Geschlecht überprüfte. Aus meiner Perspektive sehr lustig, da sich bei uns Riesenschildkröten eigentlich Männchen und Weibchen optisch klar unterscheiden lassen. Wir Männer besitzen beispielsweise längere Fußnägel an den Hinterbeinen. Dazu sind wir größer, unser Bauchpanzer wölbt sich nach innen und unser Rückenpanzer sieht flacher aus. Jedoch treten diese Merkmale erst ab einer Panzerlänge von etwa 60 Zentimeter im Vorfeld der Geschlechtsreife mit 15 bis 30 Jahren auf. Wahrscheinlich war ich damals einfach noch zu jung.

Wie alt sind Sie jetzt genau?

Da versagt wohl mein Gedächtnis. Gerüchten zufolge erblickte ich in den 1770er oder 1780er Jahren das Licht der Welt. Ab einem gewissen Alter machen ein paar Jahrzehnte mehr oder weniger nichts aus. Wenn ich richtig zähle, bin ich gut über 200 Jahre alt.

Wow…damit gelten Sie aktuell als älteste Schildkröte der Welt. Wie gehen Sie mit dem Ruhm eines Weltrekordhalters um?

Ich finde viel Erwähnung in weltweiten Medien. Diese Bekanntheit versuche ich zu nutzen, um auf die Seychellen und unsere vom Aussterben bedrohte Art aufmerksam zu machen. Mein größter Mitstreiter heißt Jonathan und lebt auf der Atlantikinsel Sankt Helena. Er kam vor etwa 190 Jahren auch auf den Seychellen auf die Welt. Doch auch sein Alter schätzen die Menschen nur. Mit ihm wetteifere ich daher um den Titel für das älteste Reptil und Landlebewesen der Erde. Ich bin jedoch fitter – er riecht und sieht angeblich nicht mehr.

Wie steht es angesichts Ihres Alters um Ihre Gesundheit?

Sehr gut. Ich fühle mich jung und frisch, ich lebe im Paradies. Es gibt genug zu essen und zu trinken und ich habe nette Gesellschaft. Dazu freue ich mich über ausreichend Schatten und meine Freiheit – mir geht es blendend. Ich hörte auch, dass es hier auf Bird Island keinen Handyempfang gibt. Ich weiß nicht, was das bedeutet, aber es ist angeblich gesund.

Was ist Ihr Beautygeheimnis?

Entspannung, es ruhig angehen lassen, langsam leben. Ich sehe die Welt im Zeitraffer. Das wirkt sich sogar auf den Stoffwechsel, die Verdauung und den Energiehaushalt aus. Ich merke auch, dass Urlauberinnen und Urlauber hier oft meinen Rhythmus annehmen, sich gemächlich bewegen und unsere Temperaturen genießen.

Wie sieht denn dann ein typischer Tag in einem Schildkrötenleben aus?

Sehr gemütlich. Morgens mache ich meinen täglichen Spaziergang zum Strand, genieße die traumhafte Aussicht und fresse. Mittags schlafe ich meistens viel im Schatten, zwischendurch kühle ich mich im seichten Meer etwas ab. Weiter rein gehe ich nicht, das Schwimmen überlassen wir den Meeresschildkröten. Mein Spezialgericht ist „tortoise turf“ – verzwergte Gräser und Blüten. Je nach Saison esse ich auch gerne Langgräser, Kräuter, Laub, Seggen und Früchte. Ganz selten stehen auch Krebse auf der Speisekarte. Wenn es einmal regnet, schlürfe ich das frische Regenwasser und sauge es auch durch meine Nase auf.

Erzählen Sie uns noch etwas zu Ihrer Familie?

Sehr gerne: Auf den Seychellen gibt es mehr Riesenschildkröten als irgendwo anders auf der Welt. Vielerorts ausgestorben, überlebten wir hier bis heute. Zusammen mit circa 150.000 Artgenossen lebe ich an den Stränden und in den üppigen Mangrovenwäldern der Inseln. Außer uns gibt es leider nur noch ein paar Verwandte auf den Galapagosinseln.

Was halten Sie von Menschen?

Riesenschildkröte wird gestreichelt.
Riesenschildkröte, © SeyVillas

Mein Verhältnis ist durchaus durchwachsen. Denn die Seychellen erreichte ich mit ein paar Schiffsbrüchigen Siedlern. Erst später erfuhr ich, dass es reines Glück war, dass ich überlebte: Die Seeleute aßen nämlich Schildkröten wie mich, um selbst zu überleben. Das weitete sich so aus, dass es 1840 hieß wir seien endgültig ausgestorben. Bis 1995 ein Hotelgast eines meiner Familienmitglieder entdeckte.

Doch heute habe ich keine Angst mehr vor ihnen. Sie kommen nur zu Besuch, machen ein paar Fotos mit mir und wollen mich streicheln. Ich bin nicht mehr schüchtern, der Anblick von Menschen gehört einfach dazu. Genauso geht es meinen Verwandten und wir freuen uns darüber, wenn Reisende über uns erzählen. Außerdem helfen sie uns auch dabei, unser Naturparadies zu erhalten.

Bemerkten Sie über die Zeit einen Wandel in Klima und Umwelt?

Die letzten Jahre empfinde ich als wärmer. Auch extreme Niederschläge während der Regenzeit nehmen zu. Das verändert die Pflanzen- und Tierwelt hier. Menschen erzählen sich, die Koralle seien bedroht. Außerdem habe ich manchmal das Gefühl, die Insel wird kleiner und das Meer kommt näher. Ich wünsche mir, dass mein Inselparadies lange erhalten bleibt. Doch dazu gilt es jetzt Maßnahmen zu treffen. Denn ich möchte auch mindestens meinen 300. Geburtstag feiern.

Wie schützen sich vor der Sonne?

Ich mag es ja warm – die Temperaturen auf den Seychellen schwanken zwischen 22 und 31 Grad. Aber wenn die Mittagshitze einsetzt, laufen wir zielgerichtet auf Schatten spendende Büsche zu oder verbergen uns in Schlammlöchern. Dort ruhen oder schlafen wir. Zur Thermoregulation strecken wir dabei Kopf und Gliedmaßen aus. Wenn es einmal zu wenig Schattenbereiche gibt, klettern wir übereinander. So schaffen es bis zu 130 Tiere in den Schatten eines einzigen Busches. Ein Problem dabei: Beim Stapeln oder Vergraben beschädigen wir oft unabsichtlich Wurzeln und Pflanzen. Doch diese sind wichtig, damit uns die Schattenplätze erhalten bleiben. Deshalb freuen wir uns, wenn die Menschen Schattenmöglichkeiten für uns bauen.

Zum Abschluss: Was ist Ihr Lieblingsstrand auf den Seychellen?

Bird Island Übersicht.
Bird Island, © SeyVillas

Definitiv der West Beach auf Bird Island. Dieser Strandabschnitt gehört zu den zehn schönsten Stränden weltweit. Insgesamt gibt es auf meiner kleinen Insel sieben Traumstrände mit weißem Sand über fünf Kilometer, alle meist menschenleer. Perfekt für ein Bad im kniehohen Wasser. Einen Besuch vergisst niemand so schnell.

Manche Menschen treiben hier mit einer Art Antenne stundenlang im Meer. Ich schätze, sie bewundern die farbenfrohen Korallenriffe, von denen alle schwärmen. Meine Verwandten, die Meeresschildkröten, nisten dort außerdem gerne. Auch der Hirondelle Beach gefällt mir – er verdankt seinen Namen dem französischen Schiff „Hirondelle”. Dies erlitt 1808 vor der Küste von Bird Island Schiffbruch. Die Überlebenden machten sich erst 22 Tage später mit einem notdürftigen Floß auf den Weg nach Mahé. Weiter entlang der Küste folgt der Marie France Beach, benannt nach der verstorbenen Ehefrau des Besitzers der Bird Island Lodge.

Das klingt sehr schön, Bird Island scheint ein traumhaftes Reiseziel zu sein. Vielen Dank für das Interview, Esmeralda, und auf viele weitere Lebensjahre.

Beitragsbild: SeyVillas
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